Planungshilfen


Es ist ein ganz eigenes Erlebnis, mit einem Hund im Gebirge unterwegs zu sein. Damit diese Zeit aber für Zwei- und Vierbeiner wirklich angenehm ist, gilt es einiges zu beachten.

Wenn Sie in der klassischen Führerliteratur nachlesen, erfahren Sie alles über den Tourenverlauf, die Anforderungen und die zu erwartetenden Schwierigkeiten. Allerdings sind die Schwierigkeiten im Sinne von Zweibeinern definiert. Eisenklammern in steilen Klettersteigpassagen sind Ihnen eine große Hilfe, für den Hund jedoch oft ein unüberwindbares Hinderniss, da er die Klammern direkt vor der Nase hat, und diese zusätzlich zum steilen Fels auch noch überwinden soll. Hier braucht es einen guten Bergsteiger mit Erfahrung, der das Gelände links und rechts des Steiges erkennen kann und für den Hund eine Alternative findet und ihm dann sicher über diese Stelle hilft.
An Leitern muss man den Hund meist tragen, dies müssen beide erlernt haben und sicher beherrschen.
Weiter muss die Steinschlaggefahr erkannt und beachtet werden. In vielen felsigen Rinnen, die der Hund eigentlich leicht ersteigen kann, liegt viel lockeres Geröll. Rollende Steine, die uns nur auf den Fuß oder gegen das Bein fallen können, würden einen Hund voll am Kopf oder Körper treffen und ihn schwer verletzen oder sogar töten. Hier müssen wir unbedingt die Gefahren erkennen und geeignete Maßnahmen für den Schutz unseres Hundes treffen.

Bei der Planung der Tour müssen unbedingt auch die Bedürfnisse des Hundes berücksichtigt werden. Je nach Hunderasse spielt das Wetter eine kleine oder große Rolle. Nicht alle Hunde sind wirklich winter- und schneetauglich. Die Pfoten und manchmal auch das Fell können vereisen. Bei manchen Rassen ist die Unterwolle nicht dicht genug, um die Kälte abzuhalten. Solange die Hunde in Bewegung sind, geht es vielleicht noch, aber bei einer Pause beginnt der Hund zu zittern. Unter Umständen ist das Fell auch schon durchnässt, dann sind Erkältungen vorprogrammiert. Möglicherweise ist ein Wetterschutz für den Hund sinnvoll. Allerdings darf dieser den Hund nicht in der Bewegung einschränken und der Hund sollte die Jacken auch gewöhnt sein.

Wer schon mal in sommerlicher Mittagshitze ein nach Süden gewandtes Kar emporgestiegen ist, der weiß, wie heiß es werden kann. Ein Hund kann nicht schwitzen, sondern kann Hitze ausschließlich über das Hecheln abführen. Wenn da kein Wasser für den Hund da ist - oder besser ein Bach, in den sich der Hund legen kann - kann es schnell kritisch werden. Besser plant man "Süd-Touren" erst für den Herbst und möglichst in den frühen Morgenstunden (das tut auch dem Zweibeiner gut).

Wasser und ein Trinkgefäß für den Hund müssen immer im Rucksack sein. Es gibt immer wieder unvorhergesehene Situationen, wo das eigene Wasser wichtig werden kann. Dabei sind die Trinkpausen den Bedürfnissen des Hundes anzupassen. Hunde trinken am Berg meist häufiger als wir.

Futter nehmen wir nur auf Mehrtagestouren mit. Leckerlis sollten aber immer dabei sein.

Auch wenn ich das Glück hatte, dass meine Hunde nie eine Verletzung mit nach Hause gebracht haben, sollte schon im eigenen Interesse immer ein Erste Hilfe Set im Rucksack sein. Spezielle Verbände für den Hund sind nicht notwendig, unsere Dreieckstücher und Verbandspäckchen sind auch für Hunde geeignet. Allerdings ist eine kleine Schere sinnvoll, um im Falle eines Falles das Fell um die Wunde auszuschneiden.

In den Gebirgskaren ist das Geröll oft lose und recht scharfkantig. Zum einen muss man aufpassen, dass der Hund keinen Steinschlag auslöst und andere Bergsteiger gefährdet, zum anderen sind die Pfoten des Hundes gefährdet. Hier können Hundebooties (Pfotenschuhe) ein guter Schutz sein.

Für allgemeine Bergtouren sollte der Hund kein Halsband, sondern ein Brustgeschirr tragen. Wir benutzen bei unseren Touren und Kursen inzwischen ausschließlich die Gurte von Ruffwear. Den "Assistenzgurt" (Ruffwear nennt ihn "Webmaster") gibt es auch mit einem aufsteckbaren Rucksack für den Hund (Palisades Pack). Wir stellen den Gurt so ein, dass er einerseits recht kompakt sitzt, andererseits den Hund in allen Bewegungsmustern nicht behindert.

Der Gurt ist nicht als generele Absturzsicherung geeignet!!! Seiltechniken sind hier ungeeignet.

Den Gurt kann man aber verwenden, um den Hund an Stellen, an denen er alleine Probleme hat, eine Hilfestellung zu geben.

Leider haben viele Hunde Jagdinstinkte und wir bewegen uns in Regionen, die die Heimat von Wildtieren ist (und auch bleiben soll). Ob diese Tiere schon durch äußere Umstände belastet sind, steht hier nicht zur Debatte. Auf jeden Fall sollte nicht noch zusätzliche Unruhe und Energieverzehr durch jagende Hunde hinzukommen.

Wir haben es schon oft erlebt, dass auf einsamen Steigen unverhofft eine Gams wenige Meter vor uns stand. Dies ist für wohl fast jeden Hund DIE Herausforderung. Da ich fast immer mit Wanderstöcken unterwegs bin, scheidet die klassische Hundeleine an der Hand aus. Nach einigen Versuchen hat sich folgende Lösung als optimal herausgestellt:

Ich verwende eine Flexileine mit drei bis maximal fünf Meter Länge und hänge diese mit einem Karabiner an einem Schultergurt hoch ein. Dies hat zwar den Nachteil, dass, sollte der Hund spontan sehr fest anziehen, wir durch den hohen Zugpunkt instabil werden können, aber die Wanderstöcke und die Leine kommen sich nicht ins Gehege und durch die Flexileine kommt es zu keinem gefährlichen Durchhang der Leine.

Wichtig ist, dass der Hund seine Ausrüstung gewöhnt ist. Also nicht erst im Gebirge etwas Neues ausprobieren, sondern möglichst im Alltag schon einsetzen.

Bei unseren Ausbildungen und Gemeinschaftstouren können Sie ganz locker lernen, wie Sie Ihre Touren hundegerecht planen und durchführen können. Profitieren Sie von unseren Erfahrungen!

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